Fotograf Beege CYANOTYPIE – Edeldrucktechnik von 1842

Oktober 03, 2016

Fotograf Beege traf sich mit Fotograf Karl Warkentin aus Oberkirch. Dieser hat ihn für eine ganz besondere Direktdrucktechnik begeistert.

CYANOTYPIE, schon mal gehört?
Noch nicht mal eine Dunkelkammer ist dazu nötig. Gedämpftes Licht genügt.

Diese Technik – auch Blaudruck genannt – wurde in der Gründerzeit der Fotografie zur Wiedergabe von stabilen fotografischen Bildern erfunden. Heutzutage zählt das Verfahren zu den fotografischen Edeldrucken und eignet sich hervorragend für Prints von digitalen Vorlagen. Die Bilder haben die typische monochromatische blaugrün-metallische Farbgebung die zur Namengebung vom berühmten Berliner Blau führte. , hervorgerufen durch Kaliumhexacyanoferrat Pulver, welches mit AmmoniumeisenIIIcitrat lichtempfindlich gemacht wird.
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Allerdings: Gut Ding will Weile haben. Warkentin sprach immer wieder den heilenden Effekt der Entschleunigung bei der Arbeit an. Kein hastiges Herumgklicke auf dem Monitor, dagegen ruhige 15 Minuten Belichtungszeit … Dafür benötigt der Vorgang aber um Einiges weniger Aufwand als eine rein analog erstellte Fotografie. Die beschichteten Papiere können in einer Schachtel beliebig lange aufbewahrt werden. Nur 3 verschiedene Chemikalien werden benötigt, die allerdings auf einer Briefwaage sehr genau dosiert werden. Das Hantieren mit Chemie ist Voraussetzung und entsprechend umsichtig muss der Vorgang behandelt werden. Wie genau das geht ist nicht in einem kurzen Blog-Post zu zeigen, aber wie es dazu kommt schon.

3 Digitalisierte Fotos aus meinem Archiv habe ich mir für den Anfang ausgesucht.
> Ein düsteres Selbstportrait > Eine Baumsilhouette aus Mallorca > Den Polaroidabzug eines Beautyshots von 1989 aus Claudia Schiffers Anfangszeit als Model

Anfangs habe ich mich beim Hantieren mit Schalen und Klammern zurück versetzt gefühlt in meine Zeit als Schüler bei meinem allerersten Fotokurs. Damals haben wir Gräser und Blätter auf altes Fotopapier gelegt, in der Sonne liegen lassen und dann den Vorgang in der Dunkelkammer fortgesetzt. Fred Feix, RIP, kam mir in den Sinn, ein Fotograf aus dem Fotoladen damals in den frühen Sechzigern in Straubing. Und genau wie damals war ich richtig aufgeregt ob des Erscheinens der Bilder aus dem Nichts. Und so sieht es aus, wenn man Algen anstelle eines Negativs auf das Papier legt.(Bild links im Mosaik aus Wikipedia von Anna Atkins)
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Die Beschichtung des Papiers ist bereits der künstlerisch wichtige Vorgang bei dem Verfahren. Der Pinselstrich und die Art, wie die Flüssigkeit auf das Trägerpapier aufgebracht wird ist wesentlicher Gestaltungsfaktor des späteren Druckes. Und bereits da kann unendlich variiert werden! Im Grunde „malt" man zunächst mit den angemischten Chemikalien unter Verwendung verschiedener Pinsel seinen Untergrund. Überall, wo das Papier beschichtet wird, kann das Bild später erscheinen. Dicke, dünne, feine, grobe, breite Borsten in Verbindung mit der Art und mit welchem Druck die Chemie aufgetragen wird, mit wenig oder mehr Chemie, verwischt oder flächig. Experimentieren ist angesagt. Vielleicht geht sogar die „Rinnsaltechnik", die ich bei den Gemälden von Inge Panter so schätze. Kein Papier wird dem anderen gleichen! Spielen, ausprobieren, mal mittig, mal voll deckend… Die Art und Fläche des Auftrages muss bereits vor dem Belichten mit dem Kontakt-Negativ abgestimmt sein, damit das Bild dann auch optimal „sitzt"!
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Von jedem Digitalen Foto kann man ein schwarz-weisses Negativ herstellen, indem man es auf einem einfachen Fotodrucker auf Overheadfolie ausdruckt. Das fertige Bild wird exakt die Grösse de Negatives aufweisen. Dann braucht man noch eine starke UV-Leuchte ( schlichte UV-Nitraphotlame 500 W), die durch das Negativ hindurch im direkten Kontakt das Papier etwa 15 Minuten lang belichtet. Es folgt die Ausentwicklung des Bildes. Große Überraschung! Ganz ohne Chemie!!! Nur Wasser! Und – wenn man will – auch ganz ohne Fixiervorgang.
Wer es genau wissen will kann sich das Büchlein „Cyanotypie für Digitalfotografen" mit der genauen Beschreibung des Vorgangs bei Karl Warkenting bestellen. Darin ist alles klar detailliert beschrieben!

Ich freue mich schon auf meine nächsten Experimente mit dieser alten, ursprünglichen Technik. Die langen Winterabende kommen bestimmt!

Auf Eure Kommentare freut sich

Beegee

 

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6 Comments. Leave new

Wilfried Beege
03.10.2016 12:47

Tatsächlich ist es eminent wichtig, dem Beschichten des Papiers eine besondere Beachtung zu schenken. Es ist wie früher, wenn man eine Doppelbelichtung plante. Beide Bilder schon vorher visualisieren und entsprechend aufeinander anpassen. Allerdings kann dem Experimentierfreudigen auch der Zufall schöne Ergebnisse zu fallen lassen ;-)

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Patric Walther
06.10.2016 16:18

Hallo Biedschie ;-) die Methode ist einfach super, ergibt unter Umständen astreine Ergebnisse. Für viele deiner Follower sicher visuelles Neuland. Mich erinnert es an meine Studienzeit auf der Hochschule für Gestaltung, Lehrfach Fotografie. Ähnliche Methoden, ähnliche Ergebnisse. Superschön.
Gruß von deinem Ex-Kollegen Patric :-D

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Ja, s ist eine altbekannte Methode. Und ich habe auch schon früher davon gehört, aber da hat es mich nicht gekratzt! Dafür eben erst jetzt! Und das mit den „u.U." … da hast Du wohl recht. Ich habe vor, mich da richtig rein zu lassen, denn nur wer mit Leib und Seele dabei ist, kann das Ganze auch zu neuen Ufern führen. Die Kombi von Malen ud Fotografieren hat mich immer schon fasziniert und auch inspiriert.

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Inge Cramer
03.10.2016 12:53

Lieber Wilfried,
das klingt ja verdammt verlockend! Eine neue Variante der „Foto(ver)wandlungen", und der Weg zum Unikat!
Werde mir das Buch bestellen und mir mal bei Dir die Ergebnisse anschauen!
Lieben Gruß
Inge

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Annette Müller
04.10.2016 21:32

Beegee, wie er leibt und lebt, immer für Neues offen. Supertoll, ich bin mal wieder total begeistert von dir.
Alles Liebe Annette

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Karl H. Warkentin
08.02.2017 01:51

Hallo Biedschie, es freut mch, dass Dir der Workshop bei mir im Studio gefallen hat! Ein kleiner Fehler ist da allerdings bei dem Link zu meinem Buch, das Buch kann man unter „http://www.warkentin-fotografie.de/books/index.html" bestellen, Workshops zum Thema Cyanotypie gibt es hier: „http://www.warkentin-workshops.de"
Gruß, Karl
„http://www.warkentin-fotografie.de"

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