Jazz Event Fotografie Beege – diesmal ohne seine Kamera

November 15, 2015

Heute Abend tue ich mal was ich will: nix!  o.k.  nichts mit meiner Kamera! Das hatte ich mir fest vorgenommen.
Im Rahmen der JAZZ PASSAGE am 13.11. 15 in der Reithalle Offenburg zog mich ein vielversprechendes Konzert magisch an.
Ich vermutete ein Musikerlebnis der ganz besonderen Art.

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Zunächst zur Musik: Weibliche Jazzer gibt es eher selten…
Aber eines ist sicher: Dem Kulturbüro Offenburg gelang mit dem Quartett Julia Hülsmann ein wahrlich fetter Jazzfang!
Allerdings muss ich sagen, dass sie sich mit dem Ausnahmesänger Theo Bleckmann als Band Gast einen ganz besonders hochkarätigen Fisch geangelt hat, der vor innovativem Gebrauch seiner Stimme geradezu übersprudelt. Mit hypnotischem Gesang erfindet er die Melodien aus Kurt Weills USA Zeit ganz neu, subtil, gefühlvoll. In klangreich bis in unglaublich genau ausgehaltenen Dissonanzen verknüpft er sein Singen zu einem feinen Musiknetz mit der ebenso tonerfindenden Trompete Tom Arthurs und  der phantastischen Pianistin Julia Hülsmann. Dabei setzt Bleckmann ab und an eine dezent einfliessende Looptechnik ein, die die Zuhörer entschweben lässt und verblüfft am Schluss sogar mit perfekt eingesetzter Oberton Artistik. Heinrich Köbberling an den Drums und Marc Muellbauer am Contrabass bringen ihre Kunst ebenso intensiv zur Geltung, jedes an seinem ihm ganz eigenen Platz, unglaublich präsent,  aber nie aufdringlich, einfach da! Auch wenn die Hauptmelodie des Mackie Messer in völlig neuartiger Interpretation von mir als eines der wenigen Lieder wiedererkannt werden konnte,  war da in allen Songs und Stücken immer noch die typisch Weillsche Tonalität. Phantastisch!
Angezogen durch den Komponisten Magneten Kurt Weill und dessen wunderbaren Gassenhauern der 20er Jahre ( Brecht's Dreigroschenoper), wollte ich, der ich sonst eher kein Jazz Hörer bin unbedingt dieses Konzert hören. Und…  ich war begeistert!

Als ob ich es geahnt hätte, denn genau darum wollte ich diesmal eben nicht fotografieren, damit ich die Musik ganz zentriert geniessen kann… aber dann spürte ich in meiner Jacke die Pocketkamera meiner Kinder… so konnte ich mir ein paar wenige Schnappschüsse dann doch nicht verkneifen ;-) Mit diesem Ding konnte ich kaum fotografisch eingreifen. Gerade bei der Bühnenfotografie ist eine automatische Belichtung ja meist völlig daneben. Darsteller im Scheinwerferlicht sind völlig überbelichtet, das Dunkel des Raumes nur hellgrau… klar! denn automatisch Belichtung führt bei so kontrast reichen Motiven nur zu mittelwertigen Tonwerten. Die dabei entstehenden  technisch horriblen Fotos, die so eine Automatic-Knipse produziert  habe ich dann in der Nachbearbeitung aber doch noch zu ordentlichen Bildern wandeln können ;-)

Ich habe einfach 2 Fotos etwas ineinander geblendet und Teile des einen in das andere „gestempelt". Ganz unprofessionell, eben passend zur kleinen Knipse. Alles was dazu nötig ist, ist eine Grundversion von Photoshop ( das geht auch mit einer alten) und… das Auge, um zu sehen, was der Stempel wie stark und wo von einem ins dere Bild macht. Als Profi würde ich sonst mit verschiedenen Ebenen arbeiten, aber so habe ich eben – wie auch die Musik –  intuitiv mit den Möglichkeiten gespielt. Ich kann halt nicht aus meiner Haut raus. Bilder machen ist einfach mein Ding!

Komposit aus 3 Fotos: Szene, Lichteffekt, Reflex in der Hochglanzlackledertasche meiner Konzertnachbarin ;-)

Teile dieses Bildes stammen aus 3 Fotos. Die Musikerszene, einem Einzelfoto mit bewegter Kamera nur der Lichter über der Bühne und dem Reflex der Szenerie in der Lackhandtasche meiner Sitznachbarin, den ich ebenfalls mit einer Kameradrehung während der Belichtung verwischen liess.

So ein Konzert erlebt man wohl nur einmal und hätte ich vorher gewusst, was da auf mich einwirkt, hätte ich wohl doch meine Profiknipse mitgenommen. Die Lichttechnik der Offenburger Reithalle ist unglaublich prägnant und Foto freundlich. So hätte ich die vielfältigen Möglichkeiten meiner Kamera gleich bei der Aufnahme eingesetzt. Insbesondere die neuartige Tool der Doppelbelichtung, Meine 5D MarkIII ist eine der wenigen Kameras, bei der man Bilder bereits beim Fotografieren überlagern kann. Aber – und das ist der springende Punkt! –  wer sich nicht völlig auf den Zufall verlassen möchte, von dem erfordert diese Technik hohe bildliche Vorstellungskraft, um beim Fotografieren bereits gedanklich die sich überlagernden Lichteindrücke voraus zu sehen, was wiederum ungteilte Aufmerksamkeit braucht und das hätte mich gehindert, den Klang und die Wirkung der Musik ganz zu spüren. Es ist zwar für mich als Fotografen  „schmerzhaft", Schönes nicht im Bild fest zu halten, aber der Hörgenuß ist nur dann wirklich intensiv.

Warum ich die zweite Hälfte des Konzertes, mit anderer Band nicht erwähne?  Wie gesagt:  ich bin nicht gerade der Jazzspezialist und kann einer, wenn auch noch so virtuosen, aber doch ziemlich langatmigen, gleichförmig lauten, ja brutalen Jazzdarbietung nicht viel abgewinnen. Für mich klang es, als kämpften da die Musiker eher miteinander als dass sie aufeinander hörten und versuchten einander mit Virtuosität und nochmehr Dezibel zu übertrumpfen. Nicht das Meine!  Auch wenn die Gruppe ebenfalls durch eine Bandleaderin, Charlotte Greve,  geführt war.

Wer in die Musik  des Julia Hülsmann Quartetts heineinhören will ist bei diesem Link genau richtig!

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1 Comment. Leave new

Wilfried Beege
21.01.2016 00:24

Habe mir die CD A CLEAR MIDNIGHT im Laden geholt. Musste zwar erst bestellt werden, aber das Warten hat sich gelohnt!
Bleckmanns Mackie Messer ist unnachahmlich!
Beegee

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