Musiktheater in Offenburg at its best!

Januar 10, 2016
Die Inszenierung von „Das kalte Herz" erhielt furiosen Applaus, den das Junge Theater mehr als verdient hatte. Das Musiktheater in Offenburg war ein echtes kulturelles Highlight. Die Geschichte von Peter Munk und dem bösen Holländer Michel erlebte eine modernes Comeback in der Reithalle zu Offenburg. Weitere Aufführungen gab es vom 02. bis 05.01.2016.

Um allen Teilnehmern Einblick in die unzähligen Fotos – in chronologischer Reihenfolge – zu geben, stelle ich hier eine Auswahl zu meinen Gedanken

Fotos der Premiere ‚Das kalte Herz' in Offenburg 

» weiterlesen

Das Stück war im Ganzen derart gelungen, dass jeder einzelne Arbeitsbereich höchstes Lob verdient hat. Geschätzt haben da mindestens 150 Personen viel ehrenamtliche Zeit und vor allem Liebe investiert, um dieses Werk entstehen zu lassen. Ein jeder hat Großartiges geleistet und es fällt mir schwer einzelne Teile der Produktion besonders hervor zu heben.

Die herausragende Leistung der Darsteller, Sänger, der Inszenierung und der Musik sind ja in den verschiedenen Berichten in der Presse und online schon sehr gut weggekommen. Deshalb richte ich hier mein Augenmerk eher auf verstecktere Leistungen in einer so vielschichtigen Show.

2 Aspekte, die wegen Ihrer optischen Relevanz für mich hier einen starken Anteil am Gesamteindruck hinterliessen und von den Zuschauern vielleicht nicht in ganzer Tragweite bedacht wurden, sind mir besonders wichtig.

Das Bühnenbild und… die Stiefel

Dem Zuschauer zeigt sich ein zunächst puristisch anmutendes, sehr einfaches Bühnenbild . Eine schwarze Wand und die auch noch im Dunkeln. Schemenhaft erkennbar ein Netz ähnliches Muster geomtrischer Formen. Durch farbige Beleuchtung wandelt sie sich in Tag und Nacht. Die Einzelteile der Wand lösten, klappten, öffneten sich und fuhren nach vorne in verschiedensten Formen aus dem Hintergrund und bilden so bizarre Bäume, dunkle Wälder, lichtdurchstrahlte Tore, Fenster. Lichtprojektionen liessen Tiere durch den Wald huschen. Diese Wand aus klapp- und verschiebbaren geometrischen Elmenten muss eine echte Herausforderung an die Bühnenbauer und Künstler gewesen sein! Ich bin gespannt auf das Video vom Making off dieses Stückes.

Die meisterhaft gesetzte und geführte Lichtanlage (Benjamin Brüderle) erweckte die verschiedenen Kapitel in der Geschichte zu immer lebendigen Bildern. Für mich war es auch eine schwierige Aufgabe die Geschichte in so meist dunklem Bühnenbild optimal in Fotos zu bringen. Ich musste manchmal die Empfindlichkeit meiner Kamera bis auf 12500 ISO ! hochziehen, um noch einigermassen Bewegung ins Bild bannen zu können und in der EBV im Nachhinein regelecht zaubern, um tiefe Schatten und raffiniert gesetzte Lichter in wohl ausgewogene Kontraste zu bringen. Dezent eingesetzter Nebel hat immer wieder für stimmungsvolle Bilder gesorgt und die Darsteller effektvoll in Szene gesetzt.

Den sagenumwobenen Riesen Holländer Michel so darzustellen, wie es diese Inszenierung schaffte, war wirklich eine unglaubliche Überraschung und raffiniert umgesetzt.

Die alle verblüffende Wirkung wurde durch einen einfach scheinenden Bühnentrick erzielt… Ein paar leerer., schwerer, grobschlächtiger, schwarzer Stiefel in Übermannsgrösse… (designed und gebaut von den Künstlern der Kunsthalle Griesheim Stephan Faust und Lena Skudlik). Sonst nichts! Die stampften musikalisch perfekt untermalt aus dem Zuschauerraum hinauf auf die Bühne.

Gehen wir von menschlichen Proportionen aus: 50 cm Stiefelschaft auf 200 cm Körpergrösse. Bei einer Stiefelhöhe von 230 cm ergibt das nach der aus meiner Schulzeit für das Leben einzig sinnvoll erinnerten Formel des Dreisatzes einen imaginären Riesen von über 10 Metern!!! Auf der Bühne stampft und tobt also ein Riese von 10 Metern Grösse herum, der mit dem Winzling Peter Munk sprechen und agieren muss. Der nur durch seine riesigen Stiefel, dem düsteren Leitmotiv in der Komposition von Gerhard Möhringer-Gross und durch den Gesang und die furchterregende Sprache des wunderbaren Baritons Markus Doll aus dem Off im Kopf der Zuschauer sichtbar wurde.

Diese Stiefel sind nicht nur für die Darsteller eine Herausforderung ihrer Vorstellungskraft. Das Körperspiel des Peter liess uns jeden Moment erkennen, dass da ein riesiges Ungeheuer vor ihm stand. Die Stiefel bewegen sich auch noch in offensichtlicher Logik mit dem riesigen, imaginären Körper! Und zwar derart erkennbar, dass der Zuschauer unwillkürlich die Illusion des riesigen Körpers vor Augen hat. Er kann genau sehen, wie der Riese sich beugte, seine Schritte vergrösserte, sich nach hinten lehnte… und erst, als er nach dem Winzling Peter Munk trat um ihn zu zerquetschen!… Die Illusion war perfekt und zuweilen Atemberaubend.

Wenn ich mir jetzt noch das ziemlich hohe Gewicht dieser Stiefel vorstelle und die darunter agierenden Menschen ( Caroline Scheringer und Renate Lorenz) … denn die mussten ja total unnatürliche Körperhaltungen einnehmen, um die Stiefel entsprechend anzuheben und so zu bewegen, dass ein koordinierter Eindruck des Gehens erreicht wurde…. eine super anstrengende Rolle! Extrem körperlich fit mussten die beiden allemal sein! Eine Hochleistung! BRAVO!

Für mich waren die beiden die heimlichen Hauptdarsteller im Stück!

Alle Darsteller waren leidenschaftlich in der Geschichte und eine nähere Beschreibung ist weiter unten aufgeführt. Das gesamte Ensemble,eine gekonnte Bühnentechnik, Sound und Videoeffekteund eine hervorragende musikalische Leistung von Orchester und unglaublich guten Sängern und Sängerinnen und die sehr abwechslungsreiche, lebendige Choreographie der etwa 100 Teilnehmer auf der Bühne haben das Publikum zu begeistertem, nicht endend wollenden Applaus gebracht.

Verschweigen möchte ich auch nicht, dass mir die reine, innige Stimme des Lieschen beim Auftritt von Lisa Freyhoff sehr zu Herzen ging ;-)

Ein ausführliches Programmheft ist vielleicht noch im Bürgerbüro am Fischmarkt zu ergattern. Darin beschreibt Annette Müller sehr schön die Geschichte des Stückes und zieht eindringlich Parallelen zu unserer modernen Welt. GELD, GELD, GELD ist nicht alles was zählt…

Manche Millionäre sind so arm…, sie haben nichts außer Geld…


Die Menschen hinter diesem Stück

Peter Munk I: Jonas Eckenfels (Bariton)

Peter Munk II: Mark Gert

Lisbeth: Lisa Freyhoff (Sopran)

Glasmännlein: Barbara Krehl

Glasmännlein: Farya Moghimi (Sopran)

Holländer-Michel: Markus Doll (Bariton)

Holländer-Michels Stiefel: Caroline Scheringer und Renate Lorenz

Ezechiel: Klaus Huber

Wirtin: Gaby Pfeil

Manager: Ludmila Blum

Kulissengirls: Lily Allgeyer, Simon Brauchle, Ronja Hertefelder

Inszenierung: Annette Müller

Regieassistenz: Barbara Höfler, Mila Krankenberg

Bühnenbild Idee: Gordon Jäntsch und Annette Müller

Bühnenbildbau: Lena Skudlik und Stephan Faust aus der Kunsthalle Griesheim unter Zusammenarbeitmit der Firma Kiefer-Beck, Elgersweier

Video Sequenzen

Kostüme: Ltg. Monika Markert, Assistenz Caroline Scheringer

Requisite – Ltg. Rolf Beck und Schüler der VABO KLasse UMF (unbegleitete minderjährige Flüchtlinge)

Maske: Ltg. Heike Busam

Bühnenkonzept, Textbuch, Regie: Annette Müller (ihre Chronologie )

Komposition: Gerhard Möhringer-Gross

Produktionsleitung: Peter Stöhr, Musikschule Offenburg-Ortenau

Jugendsinfonie-Orchester Offenburg, Dirigent: Rolf Schilli

Klangdesign: Christan Kessler

Lichtdesign: Gordon Jäntsch

Bühnen-/Lichttechnik: Benjamin Brüderle

Tontechnik: Leonard Küßner

Choreografie: Sabine Noll

Kostüme: Monika Markert

Video: Stephan Haitz, Jonathan Rieder, Gordon Jäntsch

Printmedien: Gordon Jäntsch

Bühnenbildidee: Annette Müller, Gordon Jäntsch

Bühnenbild: Lena Skudlik und Stephan Faust in Zusammenarbeit mit Fa. Kiefer-Beck Elgersweier, Gordon Jäntsch

Maske: Heike Busam

Filmdokumentation: Helmut Kirchner

Technische Assistenz: Jonathan Rieder

Regieassistenz: Barbara Höfler

Kostümassistenz: Caroline Scheringer

Orchesterdisponentin: Sybille Schilli

In Kooperation mit dem Jugenddorf Offenburg


Hier ein paar Links zu Presseberichten:

Badische Zeitung – BZ

Offenburger Tageblatt – OT

Ein tolles Erlebnis! Danke an alle Macher des Stücks

Wer eine schöne Erinnerung davon mitnehmen möchte, ist in meinem BildPortal herzlich eingeladen, Abzüge in bester Fotoqualität für kleines Geld und in Eigenregie zu bestellen.

Disclaimer: Sollte jemand ein Bild dieser Serie nicht veröffentlicht sehen wollen: Mail an mich mit dem Dateinamen des Bildes an mich genügt (mouse over auf den kleinen Bildern im BildPortal), dann nehme ich das Bild umgehend heraus.

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

2 Comments. Leave new

Wilfried Beege
19.01.2016 00:38

Liebe Mitspieler bei DAS KALTE HERZ,
Das Stück war in seiner ganzen Darbietung wirklich super! Ich bitte um Verständnis, dass ich als „Theater-Kritiker" nicht tauge, weshalb ich in diesem Blog nur auf das einging, von dem ich auch was verstehe… Ich versichere Euch, dass Ihr A L L E ! einen Superjob gemacht habt!
Bis zum nächsten Mal,
Beegee

Antworten
Annette Müller
20.01.2016 23:27

Von Herzen möchte ich Beegee für die tollen Fotos bedanken. Mit seiner besonderen Intuition in den richtigen Momenten auf das Knöpfchen zu drücken hat er mal wieder unter Beweis gestellt, was es für ein Glück ist von ihm fotografiert zu werden!! Bei einem Theaterstück unter so schwierigen Lichtbedingungen das Beste rauszuholen, zeigt den wahren Profi! Bravo!
Herzlichen Dank für dein Eingagement!
Alles Liebe Annette Müller

Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.