Über Beege

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Und wer steht da hinter der Kamera?

Lernen Sie Beegee kennen

Ein Interview mit Elke Fleing

Was wolltest Du 'später' werden, als Du etwa 8 Jahre alt warst?
Da wollte ich am liebsten Pfarrer werden. Den sah ich immer da oben auf der Kanzel und alle haben gemacht, was er nur mit seinen Händen ansagte: Aufstehen… knien… singen… beten….

Wie alt warst Du, als zum ersten Mal dachtest: ‚Ich will Fotograf werden'?
Das habe ich nie bewusst gedacht. Mit 14 bekam ich von meinem viel älteren Cousin eine einfache Box geschenkt, so eine AGFA Klack. Das war wie ein Zündholz unterm Zunder. Seitdem fotografiere ich. Und bis heute immer noch mit wachsender Begeisterung.

Man sagte mir, ich hätte schon als Kind eine blühende Phantasie gehabt. Mit einem Bild im Kopf konnte ich mich besser erinnern. Damals stand noch in meinem Zeugnis, ich sei ein Hans-guck-in-die-Luft. Bis heute habe ich mir das Gott-sei-Dank erhalten können. Daher war mir der Fotoapparat ein faszinierendes Mittel.

2 Schafe auf einem Damm. Von allen Seiten. Dieses erste Bild habe ich noch heute im Kopf. Fotografieren wurde mir seit damals quasi zur zweiten Haut.

Bist Du als Quereinsteiger zum professionellen Fotografieren gekommen oder hast Du eine beruflich passende Ausbildung gemacht?
Mit meiner Historie war es logisch, dass ich entgegen dem erklärten Willen meiner Mutter anstelle von Pädagogik an der Uni lieber Fotografie studieren wollte:

Als Junge in der Klosterschule schon Chronist, später als Schüler wie selbstverständlich rasender Reporter sämtlicher Schülerzeitschriften, umtriebig im Fotoclub, stolz auf mein 1.Foto in der Tageszeitung …

Und so durfte ich mich, statt Lehrer zu werden wie die meisten in meiner Verwandtschaft, an der Bayerischen Staatslehranstalt für Photographie bewerben. Schon während meines Studiums habe ich mich immer mit Fotografie ‚über Wasser' gehalten und das ist bis heute so!

Welche berufliche Position hattest Du mit 25 Jahren?
Da hatte ich mich in den 68er-Jahren gerade aus der Kellertheater Athmo und der Paparazzo-Zeit Münchens befreit und mit meinem Abschluss als Klassenbester in der Tasche glaubte ich, ich wäre der King…

Ein großer Modeverlag suchte damals einen Fotografen für das Modefotostudio. Dort angenommen stellte sich heraus, die benötigten für ihren charmanten Modefotografen dringendst einen, der weiß, wie das Technische eines Fotos gehandhabt wird. Der adelige Fotograf konnte zwar wunderbar mit Frauen umgehen, aber wie man ein Dia korrekt belichtet, war ihm nicht so geläufig.

Ich wurde also dort der Fotoassistent. Und ich merkte, dass ich im Grunde gar nichts wusste! Dias hatte ich bis dahin auch eher selten belichtet. Und so kniete ich mich in die Arbeit, war glücklich mit all den Geräten und Blitzanlagen, dem Platz im Studio, dem unbegrenzten Zugang zu Material und Testmöglichkeiten.

Ich experimentierte und probierte, informierte mich und war der perfekte Begleiter des Fotografen. Wir waren ein supergutes Team und profitierten beide in hohem Maße voneinander. Bereits im zweiten Jahr war ich dann selbst Cheffotograf.

Und welche Position hast Du mit 45?
Mit 45 war ich auf dem Höhepunkt als angestellter Fotograf – Chef von 7 Studios und dauernd unterwegs in aller Welt. Und dann gab es einen Eklat, der mich von heute auf morgen kündigen ließ. Und so machte ich mich selbständig als Fotodesigner.

Ist Dir der Übergang von analoger Fotografie zu digitaler schwer gefallen?
Die digitale Fotografie wurde mir anfänglich regelrecht aufgezwungen. Wegen der mangelhaften Auflösung der damaligen Kameras wurde sie lange von mir nicht in Erwägung gezogen. Erst als die Daten 18 MB erreichten, wurde digitales Fotografieren von der Katalog-Industrie zur Pflicht gemacht. Da biss ich dann in den sauren Apfel. Von da an hörte das Lernen nie wieder auf…

Was schätzt Du: Wie viele Tage Deines Lebens warst Du als Fotograf auf Reisen? 
Meines Lebens? Das müsste ich nachzählen… könnte ich sogar, denn ich habe sämtliche Polabücher in mehreren Kartons, die im Lager verstauben.

In der Zeit von 1971 bis 2011 waren es wohl 5-10 Reisen pro Jahr jede etwa 7 – 14 Tage lang. Die kurzen Termine nicht mitgezählt… das wären etwa an die 3.000 Tage.

Was schätzt Du an der Selbstständigkeit?
Das selbstständig-Sein. Auch wenn sich immer wieder herausgestellt hat, es ist nur eine Illusion. Man denkt zwar, man ist frei. Aber dann unterwirft man sich in langen Strecken seines Erwerbslebens eben doch freiwillig so manchen Zwängen, wegen derer man als Angestellter an den Gitterstäben rüttelte.

Das einzige, was ich wirklich sehr schätze, ist meine zeitliche Unabhängigkeit, wenn ich gerade keinen Job mit Kundengegenwart oder anderen freien Mitarbeitern habe und ich weite Teile meiner Arbeit machen kann zu welcher Uhrzeit auch immer.

Gibt es für Dich ‚Götter' am Fotografen-Firmament? Kollegen oder Vorbilder, die Dich wirklich schwer beeindrucken oder beeindruckt haben?
Mein erster „Kollege", den ich immer wieder konsultiere, ist Rembrandt. Der zweite Caspar David Friedrich. Ok, das waren jetzt nicht gerade Fotografen, aber sie hatten einen Blick für Licht, der mich bis heute noch beeindruckt.

Und dann kamen Feininger, David Bailey, Ansel Adams, Jean Loup Sieff, Hamilton, Peter Lindberg, Helmut Newton und – ganz wichtig: Hans Feurer.

… Von den Jüngeren vielleicht noch Rankin… Aber da gibt es sehr, sehr viele unglaublich gute Fotografen. So gut, dass ich mich manchmal frage, wieso fotografiere ich eigentlich noch…

Woher kommt eigentlich Dein Spitzname: Beegee ?
Ganz einfach. Ich heiße Beege und wenn man das Englisch ausspricht – und viele Models sprechen Englisch – dann wird daraus ‚Biedschie'.

Dazu kam, dass meine absolute Lieblingsstudiomusik der frühen 70er die Bee Gees waren. Deren Musik lief zeitweise rund um die Uhr.

Es gab mal eine bekannten, amerikanischen Fotografen namens Weegee, der machte unglaublich harte und wahre und eindrucksvolle Fotos im Rotlicht- und Unterwelt Milieu, hat mit meiner Namensgebung aber nichts zu tun.

Welche Kamera war/ist Deine absolute Lieblingskamera ever?
Die, die ich parat habe, wenn ich sie brauche. Von einem gewissen Leistungsgrad an spielt die Marke keine Rolle mehr.

Die absolute Lieblingskamera ist wie bei den Menschen meist die, mit der die erste große Liebe erfahren wurde. Bei mir war das die Hasselblad SWC: Analog, Mittelformat, quadratische Bilder, extremes Weitwinkel. Belastbar, voll mechanisch, Wechselmagazine, leicht.

Heute ist es die Kamera, mit der ich traumwandlerisch umgehen kann. Denn neben dem guten Auge ist auch das Know How über den Umgang mit dem Gerät wichtig.

Welche 3 Tipps würdest Du jedem angehenden Fotografen unbedingt mit auf den Weg geben wollen?
1. fotografieren, 2. fotografieren, 3. immer fotografieren.

Wer nicht besessen ist von der Fotografie und sich keine hohen Ziele setzt, wird Mittelmaß bleiben.

Blick in die Zukunft: Was glaubst Du, wie und womit arbeitet ein Profi-Fotograf in 50 Jahren, gibt es dann noch Fotos?
Kann ich hellsehen? Ich hätte mir vor 25 Jahren niemals gedacht, was heute digitale Sache ist. Damals musste man noch mit Glas- und Gelatinefiltern hantieren und verschiedene Filmmaterialien einsetzen, um Farben ordentlich auf den Film zu bannen. Und jede Farbemulsion im Dia musste separat von Hand retuschiert werden.

Heute dreht man am Rad und schon ist jede beliebige Kombination machbar. Seit damals wurden ganze Berufsbilder durch das Digitale hinweggefegt.

Bis auf die Stars der Szene werden Fotografen doch auch heute schon immer mehr zum Maschinisten und was wichtig ist, zum Ideengeber. Die modernen Geräte sind vielfach bereits viel besser und schneller als der Mensch.

Ich erinnere mich noch, wie wir unter uns Fotografen an den Laufstegen der Modewelt wetteiferten, wer von einem Run mehr scharfe Bilder im Kasten hatte: Der routinierte Laufstegfotograf oder der mit der Autofokuskamera… es dauerte gar nicht lange, da mussten wir „alte Hasen" die Segel streichen.

Und dann kam die digitale Revolution. Glaubt mir, ich habe mich lange gesperrt und nur die etwas abfällig behandelte Katalogfotografie wurde von mir „gnädigst" digital bedient.

Was in den letzten 25 Jahren passierte, ist ja schon unglaublich. Was in 25 Jahren sein wird? Die Veränderungen werden immer noch schneller. Die Technik wird sich so schnell verändern, dass man mit der Neuanschaffung gar nicht mehr nachkommen wird.

Vermutlich werden die Menschen die neuesten Geräte nur noch leasen, nur noch im Lichtfeld fotografieren (Fotos werden im offenen Modus abgespeichert und erst am Computer wird entschieden, auf welches Teil des Bildes der Fokus gelegt wird) und schon heute gibt es Google Glass. Brillen mit eingebautem Alleskönner. Spätestens dann ade, Privatspäre.

Und später werden gar kleine Chips in den Schädel eingesetzt werden können… es wird genügen, ein Bild mit Gedankenkraft zu speichern und das fertig Foto wird noch im gleichen Moment, in dem es „gedacht" wurde, in der Redaktion sein und in die Welt gehen.

Fotografieren, wie wir es heute kennen, wird wohl ein Nischenprodukt bleiben. Oldtimer sterben ja auch nicht aus. In Fine Art-Kreisen, auf dem Kunstmarkt, da wird das Physische, Analoge, Haptische erhalten bleiben. Aber die Massen werden wohl nur noch virtuell erreicht.

Auch wird die Fotografie ergebnisoffen sein und das eigentliche Bild immer mehr am Computer nachbearbeitet werden.

Dreidimensional werden die Bilder auf jeden Fall und das Erleben von Bildern und vor allem Videos wird zeitgleich an jedem beliebigen Ort der Erde möglich werden.

Der Beruf des Fotografen wird wohl nicht aussterben, aber er wird seltener werden, denn der „Maschinist" wird auch in Zukunft benötigt. Und vor allem der Mensch, der das Besondere sieht, kreiert, und in sensationelle Bilder umsetzt, kann nicht von Maschinen ersetzt werden.

Ein Roboter kann Bilder einfangen und übermitteln. Daraus Bilder entstehen zu lassen, die über das bloße Zeigen der Umwelt hinaus die Welt bewegen, wird dem Menschen vorbehalten bleiben.

Ob er am Ort des Geschehens zugegen ist oder in seinem Cockpit mit dem Joystick das Geschehene dirigiert, ist dabei unerheblich. Wie alles im Leben, wird auch der Fotografenberuf weiterhin umwälzende Veränderungen erfahren.

Der künstlerische Aspekt wird den ideenreichsten, innovativsten und wohl auch den gut Betuchten unter ihnen vorenthalten bleiben. Denn Fotografieren ist in erster Linie das Sehen und gleichzeitig das Festhalten zauberhafter Momente.