Beege Portraits – was macht die so besonders?

März 16, 2015

Neulich wurde ich gefragt, Was macht Deine Portraits so besonders?

Diese Formulierung bekomme ich immer mal wieder als Feedback meiner Arbeít. Und tatsächlich soll jedes meiner Portraits etwas Besonderes sein. Warum das so ist? Vielleicht könnte ich das – frei nach einem grossen Philosophen – am besten und recht prägnant auch so formulieren:

Ich sehe, also bin ich.

Das beinhaltet gleich 2 Aspekte meiner Arbeit. 1. Das Wichtigste ist das Sehen! Und 2. das Bilder machen ist mein wichtigster beruflicher Lebensinhalt.

Ich wünsche mir, dass meine Kunden etwas Zeit mit bringen, damit ich sie ein wenig kennen lernen kann und… damit Sie etwas runter kommen können von der Anspannung des Tages oder dem Gedanken „zum Fotografen“ zu gehen. Das schafft schon den ersten Gegensatz zu so mancher Bilderfabrik im Minuten Takt. Menschen zu fotografieren ist für mich eine Art Zwiegespräch. In lockerer Athmosphäre zunächst herausfinden, aus welcher Intention heraus meine Kunden ein Foto von sich brauchen.

Zunächst versuche ich mir ein inneres Bild von ihnen zu machen. Und da ist der erste Grund für eine besondere Aufnahme auch schon gegeben: Ich stelle mir vor welches Licht dem Gesicht meines Besuchers am ehesten gerecht würde. Denn es gibt sehr viele Arten von Beleuchtung, die alle einen anderen Aspekt eines Gesichtes betonen oder zurücknehmen können.

Zur Technik: Für das allgemeine Portrait bediene ich mich mit Vorliebe einer fensterförmigen, grossen Lichtwanne. Mein Hazy Light. Die Übersetzung sagt bereits alles aus: Dunstlicht/weiches Licht. Ich habe das schon seit den 80er Jahren in Verwendung und es erzeugt ein unnachahmlich hautfreundliches Licht, sofern es denn entsprechend gesetzt wird. Es ist eine eher unkomplizierte Beleuchtung, die aber mit Perfektion eingesetzt werden will.

Eine sehr belebte Gesichtslandschaft kann ich eher schmeichelnd beleuchten, wenn es z.B. ein Geschenk werden soll. Aber auch recht brutal, wenn es darum geht, einen beruflichen Charakterzug besonders zu betonen.

Eine Regisseurin z.B. werde ich nicht so „lieb“ abbilden, wie ich das vielleicht bei einem Brautportrait oder einem Familienfoto tun würde. Den Präsidenten einer Gesellschaft werde ich sicherlich härter beleuchten und so seine prägnanten Züge eher noch etwas betonen, um seine Power und Position im Leben zu unterstreichen.

Bei einem Bewerbungsfoto achte ich zunächst darauf, die innere Haltung des Menschen vor mir so aufzubauen, dass der Gesichtsausdruck entsprechend offen, vertrauensvoll und sympathisch wird. Dabei setze ich auch auf die Kraft der Gedanken.

Licht sehen ist ein Gabe aber auch ein Spiel.  Ich erspiele sozusagen zusammen mit meinen Kunden ein gutes Bild. Dazu gehört in erster Linie das genaue Hinsehen:  was bewirkt das Licht, auch das der Umgebung  auf der Haut, wie verlaufen die Schatten im Gesicht? Sind sie zu tief? zu flach? Glänzt die Haut?  Welche Reflexionsfarben sind in der unmittelbaren Umgebung?  Auch, die rechten Worte zu finden, um einen möglichst natürlichen Gesichtsausdruck zu erreichen und eine entspannte Atmosphäre zu schaffen gehört dazu. Das Ergebnis ist eine Reihe von verschiedenen Fotos, aus denen ich dann die besonderen Bilder vorauswähle.

 

Einen hohen Stellenwert hat bei mir auch das Tageslicht. Ich sehe sehr oft Lichtsituationen im alltäglichen Leben, die mich neugierig machen, wie sie gerade in diesem ganz speziellen Moment entstehen, in dem ich sie entdecke. Das genaue Beobachten, wie bestimmte Lichtsituationen entstehen hilft mir immer wieder, Situationen zu schaffen, in denen ich auch auf Aussenaufnahmen besondere Portraits entstehen lassen kann.  Dabei habe ich manchmal eine wichtige, wenn auch zunächst paradoxe  Vorgehensweise. Wenn wenig Licht vorhanden ist, gehe ich gerade dorthin, wo noch weniger Licht ist! Dann entstehen eine Art Lichtgefälle und Kontraste, ähnlich wie bei Gegenlicht, jedoch noch viel weicher. Die digitale Fotografie bietet uns heute so hohe Lichtempfindlichkeiten wie nie zuvor, sodass man selbst bei wenig bis gar keinem Licht noch ohne Lichtanlagen oder „tödliches" Handblitzlicht fotografieren kann.

Ähnlich wie beim Kochen eines feinen Gerichts, kommt es immer auf die Zutaten ( Lichtqualität) und das fein dosierte Würzen (Lichtführung, Locationsuche) an.

 

 

Ein weiterer Aspekt meiner Arbeit, der zum besonderen Bild führt:

Ein einfaches Portrait bedeutet in der Regel ein Bild in einer Pose und einer Kamera- und Lichteinstellung. Aber auch da fotografiere ich nie nur ein Bild. Intensität und selbstbewusste Ausstrahlung sind immer das Ziel.
Um jedoch meinem persönlichen Anspruch und Stil gerecht zu werden, biete ich meinen Kunden über das Einzelportrait hinaus an, eine ganze Serie in immer leicht unterschiedlichen Positionen und Einstellungen zu fotofgrafieren, auch in unterschiedlichen Outfits. Sie bekommen von mir so zu sagen eine ganze Portrait-Reportage.

Eine solch umfassende Bildserie schließt ein immer gleich voreingestelltes Portraitlicht aus. Der Lichtaufbau mag zwar oft ähnlich sein, das letzte Quentchen Lichtführung kommt aber beim Fotografieren und kann immer nur an der jeweiligen Gesichtslandschaft zum Wirken kommen.

 

Diese Bilder aus einer Portrait Reportage des Jungschauspielers Bastian Dulisch entstanden in einem 3 stündigen Shooting. Dabei brachte er seine Lieblingsklamotten mit und wir haben eine  Visagistin mit ins Team genommen. Der kleine Ausschnitt aus den vielen Fotos, die dabei entstanden zeigt, wie wandlungsfähig ein jeder sein kann.

 

 

 

Bei Portraitserien für Privatpersonen steht für mich die Wandlungsfähigkeit der Peson nicht so im Vordergrund. Vielmehr kommt es mir da auf die verschiedenen authentischen Momente an, welche den Menschen in seinem Wesen am besten zeigen können.

Lichtführung und Menschenkunst sind der Schlüssel zum wirklich guten Bild.

Das macht Portraits zu Portraits von mir!

 

 

 

Herlinde Koelbl – eine Fotografin der Gegenwart – ist mir in ihrer Portraifotografie sehr vertraut und ich bin ein Fan ihrer Arbeiten. Nicht zuletzt, weil ich in einem ihrer Bücher entdeckt habe, wie nahe unsere Auffassungen einander sind.  Gleich die ersten 3 bis 4 Minuten eines Interviews mit ihr im Schweizer Fernsehen SFR haben mich gefesselt. deshalb habe ich es hier verlinkt.  Die Fotografin zeigt Aspekte auf, die ich besser gar nicht selber ausdrücken könnte und treffen auch meine Sicht in der Portraitfotografie auf den Punkt. Sie spricht in Minute 9. bis etwa 11.dieser Sendung auch über Schönheit die Ich meine, die jedem inne ist und ich teile ihre Meinung voll und ganz!  Überhaupt… jeden dem das Thema Fotografie am Herzen liegt wird dies Interview den Horizont erweitern.

 

 

Zum Schluss noch mein Lieblingsbild aus der Serie des Schauspielers.

Ich gehe gerne spielerisch mit der Fototechnik um. Das Spiel mit Verschlußzeiten und Blende, dem Mix aus vorhandenem und Studiolicht ist mir immer wieder Inspiration. Oftmals denke ich einen Fehler in den Einstellungen begangen zu haben, erkenne aber oft, dass der „Fehler" recht interessant aussieht. Ich versuche dann dieses Zufallsbild zu analysieren. Wie kam es dazu? Was hatte ich „anders als sonst" gemacht? Dann kann ich diesen Effekt wiederholen und perfektionieren. Auch so ergibt sich Neues. Potential für interessante und besondere Bilder.

Fazit: Bei der Arbeit vor lauter „Portrait" nicht das Spielerische in der Fotografie zu kurz kommen lassen.

In diesem Sinne grüßt,

Beegee

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5 Comments. Leave new

Wilfried Beege
16.03.2015 01:31

Liebe Besucher,
wenn mein Blog interessiert, dann abonniert ihn doch bitte. Sie werden dann beim Posten eines neuen Blogs automatisch per E-mail benachrichtigt. Wenn Sie bereits von mir fotografiert wurden, dann freue ich mich sehr über Ihren Kommentar. Auch konstruktive Kritik ist mir willkommen.
Liebe Grüße,
Beegee

Antworten

Lieber Beegee,
schön dich so zu lesen!!!!
Deine Samytochter

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Josef Erdrich
20.03.2015 15:07

Ich freue mich auf alle Benachrichtigungen und auf alles Neue auf Ihrer Facebookseite.

Antworten
Inge Cramer
26.02.2016 19:09

Dein Porträt-Blog hat mir sehr gefallen! Du drückst klar und prägnant aus, was meiner Ansicht nach für jeden, der „abgebildet" werden möchte, wichtig ist. Habe fast Lust bekommen, mich auch mal von Dir portraitieren zu lassen!
Inge

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Wilfried Beege
26.02.2016 23:57

Aber gerne doch! Wenn Du mal wieder in Offenburg bist, machen wir einen Abstecher in mein Studio…!

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