Jetzt isses raus: Beegee wird 70!

November 02, 2014

Jahrelang habe ich es einfach ignoriert… und jetzt plötztlich! bin ich schon seit 70 jahren auf dieser Welt. Aus diesem sehr rundem Anlass heraus  will ich mal „outen", was so Sache war und ist.

Warum ich immer noch fotografiere? Und mit immer noch wachsender Begeisterung?

  • Fotografie ist mein Leben. Es war seit etwa meinem 14. Lebensjahr mein leidenschaftliches Hobby. Jahrelang sollte ich Lehrer werden, wie fast alle in meiner Familie. Derweil habe ich mich mit Fotografie über Wasser gehalten, bis ich merkte: ich habe ja bereits meinen Beruf! Und so ist es bis heute geblieben.
  • Meine grosse Erfahrung im Umgang mit Menschen impliziert geradezu, dass ich die gerade jetzt, wo ich sie habe, verstärkt einsetze. Dazu gehört auch meine schlichte, lockere, ja „normale Art, die kaum Raum lässt für Fotografiert- werden-Ängste. Einfühlungsvermögen in die Portraitierten ist es, was den Menschen in meinen Bildern zu einem besonderen macht.
  • Die Kamera ist so gut wie immer dabei. Wohin ich gehe und stehe, egal woich gerade arbeite, auf Reisen, im Urlaub, beim Spaziergang, ich sehe überall Motive! Und ich nehme die quasi im Vorbeigehen mit. Dies verhilft mir zu einem stattlichen Bildarchiv. In meinem Studio stehen noch Regale voller Diaschachteln, sicher hunderttausende Bilder, die darauf warten, aus dem Archivschlaf geweckt zu werden. „Ja, ja, wenn ich mal in Rente bin…“ war so mein Spruch. Nur, ich habe immer noch keine Zeit mein Scanner und Archivar zu sein.
  • In Offenburg gibt es ja dieses viel versprechende Projekt, Gebäude der alten, denkmalgeschützten Leineweberei als Kulturraum der Offenburger Bevölkerung zu erschliesen.  Dazu haben wir in der ersten Jahreshälfte 2014 einen Verein geründet der inzwischen auch schon gutes Echo bei den Offenburgern und im Stadtrat findet. Es sieht ganz danach aus, dass wir unseren Plan realisieren können. Die Stadt hat bereits einen Artbeitskreis eingerichtet, der sich für „uns“ Kulturschaffende, -unterstützende und   -Geniessende einsetzt. Dort meine Erfahrungen als „ alter Fotografen Haudegen“ einzubringen, Jungen Leuten die Kunst der Fotografie nahe zu bringen und sei es nur dadurch, das ich fotografische Effekte noch direkt in und mit der Kamera zu erzeugen weiß, das ist auch eine Aufgabe, die ich noch für mich sehe. .Natürlich nutze ich auch, aber eben nicht nur digitale Tools, welche ja auch „nur“ der analogen Fotografie nachempfunden und meist sogar genau wie der ursprüngliche Vorgang benannt wurden.
  • Auch während meiner beruflichen Arbeit behalte ich den Blick für die kleinen Dingen im Leben. Eine Pfütze, die wunderschön spiegelt und im nächsten Moment brutal zerlascht wird, Blätter, die darin eingefroren sind, Wolken die in ihrer unnachahmlichen Art kommen, ein Bild hinhauchen und vergehen, Gräser, Tautropfen, Sonnenstrahlen, leckere Gerichte, kurz bevor sie für immer den Weg allen Irdischens gehen… augenfällige oder auch unauffällige Menschen auf der Strasse ( street-photography) Momente, die es wert sind fest gehalten zu werden… ich sammle Menschen und Momente. Die Themen werden nie ausgehen! 
  • Um das Sehen geht es! Für mich ist die Zauberformel für (angehende) Fotografen und Kreative: Sehen. Man muss sein Bildm sein Werk sehen! Es muss eine Art Schule des Sehens initiiert werden, damit man den Betrachter in seinen Bann ziehen kann. Das anders, ganz eigen gesehene Bild ist der Weg zum guten Bild. Da sehe ich eine sinnvolle Aufgabe  Die modernen Geräte werden ja immer besser, Leistungsfähiger. Ganze Tsunamis von Bildern überfluten die Welt. Das fotografische Ergebnis in unserem Beruf wird dabei leider immer öfters oberflächlicher. Da ist es unabdingbar, dem etwas entgegen zu setzen. Eine eigene, markante Bildsprache etwa oder eindrucksvolle Inhalte, gut gesehen, gekonnt und klar fotografiert. Fotografieren ist bereits heute immer beliebiger geworden. Auch in der Modefotografie wird Aufmerksamkeit nur noch mit immer extremeren, immer billigeren Effekten erreicht. Nicht nur in der Modebranche ist es oft so, dass ein Bild bloss ein anderes kopiert. So mancher Kunde heutzutage kommt gar mit einem Foto, einem Ausriss ins Shooting und sagt, so eine Foto wollen wir haben.» Statt selber etwas Eigenes zu beauftragen oder zu kreieren. So arbeiten fast alle, alles verwässert, das ist das Ende von Fotografie. Und dann kommt noch das Digitale immer mehr dazu, dass einem jeder reinreden, ja eingreifen kann. Vom ursprünglichen Foto des Autoren bleibt oft nur der kommerzielle Inhalt, Fotografie bleibt auf der Strecke und verkommt zu reinen Gelderwerb.

Niemnd hat meine Einstellung zu meinem Beruf klarer formuliert als der Amerikanischen Werbe- und Mode-Fotograf Bert Stern. Er hat als einer der ersten Fotografen Portraits für Werbung mit Kultcharakter meisterlich in Szene gesetzt. ( z.B. Marilynn Monroe 1962 -The last sitting).

„Die Fotografie ist mein Weg, den Menschen in seiner Einzigartigkeit zu erfassen und eine Nähe zu ihnen aufzubauen, die anders nicht möglich wäre…“ Bert Stern

 

 

 

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