MODE- und Beauty in der Fotografie

Dezember 22, 2014
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Mode- und Beautyfotografie? Das  wurde ich bereits mehrfach gefragt.

Ich könnte das ganz lapidar so beantworten:  bei einer Modefotografie steht die Kleidung im Vordergrund, bei Beauty eher das Gesicht, der pure Körper, der Ausdruck, die Haare.
Mit dieser platten Erklärung ist aber dem Zeitgeist heute keine Rechnung getragen.

Mode- und Beauty, zumindest in hochwertigen Magazinen und Image Kampagnen, verschmelzen immer mehr.  Der Anspruch an Qualität und Alleinstellung der Präsentation verlangt von uns Fotografen immer mehr Innovation und Schönheit in der Darstellung der Mode, eines Parfums, oder einer Frisur.

<<< Links im Bild eine Polaroid Sofortbild Aunahme aus den 90ern. Claudia Schiffer, damals 16. Dieses Foto symbolisiert die Verschmelzung von Mode- und Beauty.

Die Abgrenzung, hier Mode – da Beauty gibt es zwar (noch), vornehmlich als thematische Abgrenzung in Präsentationen auf Websites von Model-, Styling- und Hair/Makeup-Agenturen und Fotografen ( mich eingeschlossen), aber auch ganz im „alten" Sinne bei Billigmagazinen der Yellow Press und in Internetforen.

In den Werbeagenturen und Zeitschriften-Redaktionen gab und gibt es klare Berufsbezeichnungen und abgegrenzte Produktionsgebiete.  In der realen Produktion wird das Spezialistentum immer mehr aufgeweicht.

In den meisten Kreativen in unserer Szene wird von sehr vielen Auftraggebern verlangt, bei der Buchung des Teams auf vielseitige Skills zu achten.

  • Stylist/In steht dafür wie die Mode präsentiert wird, inzwischen aber auch welchen look sie haben soll, in welches modische Thema wird sie eingebettet, was wiederum bestimmt, welche Accessoires verwendet werden. Immer mehr wird verlangt, dass auch eine ganze Produktion bis hin zur Produktionsleitung gegenüber den Herstellern und Redaktionen übernommen werden soll. Für einzelne, superallround Veranlagte mag das ein Fortschritt sein.
  • Haare/Make Up Visagisten/Innenen wären ja bekanntlich zwei verschiedene Berufe… aber „der Markt" für Fotoproduktionn verlangt inzwischen weitgehend, dass beides von einer Person beherrscht wird.
  • Der Fotograf ist heute nicht nur Handwerker und Ideengeber. Von ihm wird verlangt Konzeptioner, Dienstleister, Organisator, Laborant, Redakteur, Lithograph, Werbefachmann zu sein… Psychotherapie ist sowieso schon ein must für ihn ;-)
  • Ein/e Stylist/In sollte am besten auch mal selber Haare und Make Up können – was an sich schon ein Ansinnen ist! – und ein/e Visagist/In auch mal Styling ersetzen,
  • Fotoassistenten mussten immer schon Mädchen für alles sein können und nunwird auch noch wie selbstverständlich vorausgesetzt, dass sie Digitalsupport leiste, Daten schieben, Vorauswahlen treffen, also redaktionelle Arbeiten pübernehmen und gleichtzeitig aber bei der Aufnahme  voll dabei sein. Also ein Tag- und ein Nachtjob in einem!
  • und dann kommt heutzutage noch das Digitale dazu, dass jedem die Möglichkeit gibt, rein zu quatschen und obendrein dass jedes Bild nachträglich manipuliert wird.

Mode und besonders Beauty verkommt ( laut einem meiner Lieblingsfotografen, Peter Lindberg) immer mehr zu einem „Masturbationssystem" . Kritik hat er auch für die Beauty-Industrie übrig. „Dieser Horror, der da verbreitet wird als Schönheit, der hat nur den Sinn, dass sich alle Frauen immer hässlich finden, die irgendwie noch menschlich aussehen, und sich deshalb für 300 Dollar Crème ins Gesicht schmieren, damit sie aussehen wie die retuschierten Monster auf den Anzeigen." *)

Diese „Superministerien" führen aber leider auch dazu, dass die Modebranche immer mehr verflacht, allgemein wird und wie auch wieder Peter Lindberg so schön sagt:„Die heutigen Modefotografen hätten leider oft keine Meinung mehr. Wenn er durch die Modemagazine blättere, dann müsse er fast sagen, dass Modefotografie zu einem Schimpfwort werde…" *)  Und so kommt es, dass  da kaum noch ein Unterschied in der Präsentation besteht. Das hat mich nachdenklich gestimmt. Typische Modeaufnahmen haben meist den Focus auf der Präsentation der Kleidung, gleiten durch die immer schnelllebigere Zeit und immer extremere Sparzwänge  oft in die reine Katalog- , Internet-, bzw. Warenmuster Ecke ab.

Aber zum Glück gibt es anspruchsvollere Auftraggeber.  Mode wird dann aber immer mehr – in der Werbung wie in den Redaktionen –  mit einem Haare- und Make Up Anspruch fotografiert, der auch der reinen Beautyfotografie Ehre machen soll. Zeitschriften wollen Geschichten erzählen, Hersteller Klamotten verkaufen, Kosmetikfirmen wollen Träume vorgaukeln. All das muss unter einen Hut! Und das ist die eigentliche Herausforderung an ein Fotoproduktionsteam.

Der langen Rede kurzer Sinn: Meiner Meinung nach gibt es den Unterschied zwischen Mode- und Beautyfotografie nicht mehr.

Die Zeiten ändern sich.                                                                                                                                                        *) aus einem interview 4.1.14 Neue Zürcher Zeitung

Beegee

1 Comment. Leave new

Tycho Klettner
18.03.2015 09:00

Hallo und guten Morgen, gerne möchte ich deinen Blog verfolgen.

Gruß Tycho

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